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”Ich bin müde...”, murmelte Toshiya und gähnte.

”Okay... dann machen wir Schluss für heute!”, sagte Kaoru mit einem nachsichtigen Lächeln.

Die grinste breit. ”Faultier!”, sagte er zu Toshiya. ”Aber egal. Wir sehen uns morgen. Gute Nacht!”

Er verließ ihren Proberaum , kurz darauf folgte Toshiya ihm. Die verbliebenen drei Dirus sorgten für ein bisschen Ordnung. Als Kaoru auch gähnte, sah ihn Shinya milde lächelnd an.

”Geh ruhig, Kaorusan! Wir machen das schon, stimmt’s Kyokun?”

Kyo grinste. ”Shinchan hat völlig recht!”

”Danke Leute. Wir sehen uns!”

Kyo und Shinya blieben alleine zurück. Sie verließen bald darauf den Raum. Shinya schloss ab und steckte den Schlüssel ein.

”Hey, wollen wir nicht noch was trinken gehen?”, fragte Kyo.

”Echt? Hey, du opferst deine freie Zeit, in der du eigentlich schlafen könntest, für mich? Das finde ich aber nett!” Shinya grinste breit, als er Kyos Gesicht sah. ”Guck nicht so, ich nehme dein Angebot gerne an!”

Kyo schien sofort wieder besänftigt zu sein und lächelte zufrieden.

 

Ein wenig später saßen sie nebeneinander in einer kleinen Bar. Kyo schien öfters hier zu sein... Shinya war anfangs skeptisch gewesen. Er vertraute nicht so ganz auf Kyos Geschmack. Trotzdem gefiel es ihm letztendlich erstaunlich gut. Kyo hatte ihm ein Getränk mit einem exotischen Namen bestellt. Es war pink und Shinya beäugte es misstrauisch.

”Was ist das?”

”Probier es einfach!”

Shinya sah ihn zweifelnd an, doch schließlich nippte er einmal vorsichtig am Glas.

”Hey... gar nicht so schlecht. Aber Alkohol ist da trotzdem drin...”

”Keine Sorge... soviel ist es nicht!”

Shinya warf Kyo einen weiteren, misstrauischen Blick zu, ließ sich letztendlich aber überzeugen.

 

So saßen die beiden also in dieser Bar, redeten, lachten und tranken weiter. Und das etwa zwei Stunden lang. Als Shinya fast im Sitzen einschlief, beschloss Kyo, dass es an der Zeit war, doch endlich zu gehen. Sie standen auf und gingen. Kyo musste Shinya festhalten. Offensichtlich schien der Jüngere Alkohol nicht gewöhnt zu sein.

”Ich rufe uns ein Taxi. Ist wohl das beste, wenn du heute Nacht mit zu mir kommst. Ich wohne ja nicht weit weg.”

Shinya war nicht mehr fähig, sonderlich viel über Kyos Vorschlag nachzudenken. Er nickte.

 

Kyo öffnete die Tür seiner Wohnung und schob Shinya hinein. Der Jüngere stützte sich an der Wand ab und zog langsam seine hohen Stiefel aus. Kyo lächelte, als sich Shinya wieder aufgerichtet hatte. In diesem Moment war Kyo größer als der Drummer. Er hatte seine hohen Schuhe angelassen. Aber dann schälte sich auch Kyo aus den Plateau-Tretern und führte seinen Gast ins Wohnzimmer. Er bugsierte ihn aufs Sofa und setzte sich daneben.

Shinya lächelte ein wenig merkwürdig und lehnte sich zurück.

”Will noch nicht schlafen...”, murmelte er Drummer leise.

Kyo lächelte nachsichtig und griff nach der Fernbedienung. Er zappte durch die Kanäle. Auf einem Sender lief gerade ein Video von Dir en grey. Kyo sah grinsend zu und seine Erinnerungen schweiften zu dem Dreh, der ihnen allen sehr viel Spaß gemacht hatte.

Auch Shinya sah zu. Sein Körper hielt sich allerdings nicht an den Wunsch, den Shinya kurz zuvor geäußert hatte und seine Augen wurden schwerer. Langsam sank sein Kopf auf die Schulter des Älteren. Die Haltung war für Kyo nicht wirklich bequem, deswegen legte er einen Arm um Shinya. Sofort schmiegte sich der Drummer enger an den Vokalisten. Vermutlich dachte sich Shinya gar nichts dabei, sondern wollte einfach näher zur Wärme. Kyo hob eine Hand und streichelte Shinya durch die Haare. Der Jüngere begann leise zu schnurren.

Plötzlich hob er den Kopf und sah Kyo an. Kyo erwiderte seinen Blick verwirrt, als sich Shinya vorbeugte und seine Lippen leicht auf Kyos drückte.

”Du kannst sagen was du willst und du kannst dich auch noch so dagegen wehren. Ich finde trotzdem, dass du süß bist.”

Kyo wurde rot. Sein Gesicht glühte regelrecht. Aber Shinya war wohl zu betrunken, um es überhaupt zu merken. Und Kyo wollte sich nicht einmal gegen Shinyas Worte wehren. er empfand heftige Zuneigung für den Drummer. Er drückte Shinya noch ein winziges bisschen fester an seinen Körper. Shinya seufzte und schlang seine Arme um Kyos Unterleib. Der Vokalist lächelte in sich hinein und streichelte abwesend über Shinyas Haar. Als Shinya nah am Einschlafen war, stupste Kyo ihn sanft an.

”Hey... Shinchan! Wach wieder auf!”

”Hmm?”

”Komm her! Es ist hier im Wohnzimmer viel zu kalt, um zu übernachten... Ich gehe bringe dich in mein Schlafzimmer!”

Kyo zog Shinya auf die Füße und brachte ihn zum Besagten Ort. Mühsam begann sich Shinya den Pullover auszuziehen. Kyo seufzte und nahm ihm mit einem sanften Lächeln die Arbeit ab. Shinya war wohl auch in diesem Punkt sehr pingelig und hielt noch immer daran fest, nackt, oder zumindest in möglichst wenig Kleidung zu schlafen. Schließlich trug der Jüngere nur noch Boxershorts und Kyo stieß ihn in die Laken. Er deckte ihn liebevoll zu und betrachtete für einen Moment sein Gesicht. Shinya hatte schon die Augen geschlossen und schien friedlich zu schlafen. Kyo küsste ihn auf die Stirn und nahm sich eine zweite Daunendecke, um damit ins Wohnzimmer zu ziehen.

 

Als Shinya am nächsten Morgen wach wurde, stellte er als erstes fest, dass er nicht wusste, wo er sich befand. Als zweites bemerkte er seine ziemlich schlimmen Kopfschmerzen. Und als drittes erinnerte er sich daran, dass er sich an nichts mehr erinnern konnte. Er wusste einfach nicht mehr, was am Vorabend passiert war. Stöhnend richtete er sich auf und kletterte aus dem Bett. Er sah sich verwirrt an und plötzlich wusste er, wo er war. Von der gesamten Einrichtung her, konnte das nur Kyos Wohnung sein...

Aber wo war der Vokalist?

Shinya ging ins Wohnzimmer. Kyo lag noch immer auf dem Sofa und schlief. Er hatte sich tief in die Decke gekuschelt. Shinya näherte sich grinsend. Kyo sah im Schlaf richtig süß und niedlich aus. Er murmelte leise für sich hin. Der Drummer kniete sich neben Kyo auf den Boden und näherte sich seinem Kopf. Er wollte Kyo ins Ohr pusten, um ihn so zu wecken. Doch plötzlich drehte er Ältere langsam den Kopf und zeigte Shinya sein Gesicht. Shinya runzelte die Stirn und betrachtete zärtlich Kyos Profil. Kyos Augen flatterten auf. Er blinzelte und sein Blick klärte sich. Er lächelte leicht.

”Shinchan...”, flüsterte er leise.

”Ohayo gozaimasu...”, flüsterte Shinya leise zurück.

Kyo streckte die Hand aus und legte sie in Shinyas Nacken. Er drehte sich eine Strähne der hellen Haare um den Finger und zog Shinyas Kopf langsam näher zu sich heran. Er beugte sich vor und drückte seine Lippen kurz auf Shinyas und leckte über seine Lippen. Bei diesem Kontakt kehrten Shinyas Erinnerungen schlagartig zurück. Er erinnerte sich plötzlich wieder an alle zärtlichen Gesten und Worte. Gefühle flammten in ihm auf und er schlang einen Arm um Kyos Hals und erwiderte den Kuss ebenso liebevoll. Damit hatte Kyo nicht gerechnet. Zuerst riss er erstaunt die Augen auf, doch dann entspannte er sich sehr schnell wieder und genoss Shinyas Zärtlichkeiten. Kyo streckte langsam den Arm aus und legte ihn über Shinyas Schulter. Vorsichtig streichelte er Shinyas nackten Rücken, die heiße Haut.

”Ich kenne mich hier zwar nicht aus...”, keuchte Shinya, als sie sich voneinander gelöst hatten, ”.. aber ich gehe trotzdem mal Kaffee kochen...”

Er stand auf und ging in Kyos kleine Küche. Kyo sah ihm lächelnd nach. Obwohl er ziemlich müde war, stand er auf und folgte dem Drummer.

Er ging zu einem Schrank, öffnete ihn, holte ein Glas heraus, füllte es mit Wasser und stellte es neben Shinya. Dann legte er eine Tablette dazu.

”Du hast doch sicher Kopfschmerzen...”

Shinya sah überrascht auf. ”Woher weißt du das?”

”Hatte ich so im Gefühl...”

Shinya lachte, verzog aber kurz darauf schmerzerfüllt das Gesicht.

”Siehst du?”

”Du hast Recht. So sollte ich nicht Schlagzeug spielen... ich nehme sie besser.”

Shinya nahm die Tablette vom Tisch und schluckte sie gehorsam. Kyo grinste, aber Shinya warf ihm plötzlich einen strengen Blick zu.

”Wenn man bedenkt, dass es deine Schuld ist, dass ich mich so fühle...”, rief er und wuschelte Kyo durch die ohnehin schon wilden Haare.

Kyo schrie und wich Shinya lachend aus. Der Drummer hatte schon wieder aufgehört. Er hatte die Hände zu den Armen gehoben und rieb langsam über die Haut.

”Brr... langsam wird mir kalt... ich gehe mir lieber etwas anziehen...”

”Lass...”, sagte Kyo und zog sich sein schwarzes T-Shirt aus. Er gab es Shinya, welcher es mit einem schüchternen Lächeln annahm und sich langsam über den Kopf zog. es war schön warm und roch angenehm nach Kyo. zart strich er über den Stoff, während Kyo breit grinste. Shinya ließ seinen Blick langsam über den nun entblössten Körper des Älteren gleiten. Dieser bemerkte es nicht. Er ging ins Wohnzimmer zurück und zog sich einen Pulli über, der dort herumlag. Er war schwarz und mit einem Totenkopf bedruckt.

In der Küche saß Shinya auf einem Stuhl und lächelte Kyo strahlend an. Dem Vokalisten schoss das Blut in den Kopf. Er ging auf Shinya zu, legte ihm beide Hände fest auf die Schultern, sah ihm in die Augen und sagte:

„Shinchan, du darfst mich ab heute Kyochan nennen, wenn du es möchtest!“

Shinya lächelte sanft zurück und legte seine Hände auf Kyos. Kyo wollte die Gelegenheit sofort nutzen, um Shinya einen weiteren Kuss zu geben. Der Drummer schloss erwartungsvoll die Augen. Kyo kam immer näher. Shinya konnte es nicht abwarten und öffnete die Augen erwartungsvoll wieder. Er fing einen zärtlichen Blick von Kyo auf und ein Prickeln lief durch seinen Körper.

Kyos Augen waren wunderschön!

Ein paar Strähnen der fast gelben Haare hingen ihm ins Gesicht. Der Ältere öffnete seinen Mund leicht und rückte noch ein wenig näher zu Shinya.

Jedoch bevor sich ihre Lippen berührten, klingelte das Telefon.

Kyo stieß ein wütendes Knurren aus.

„ARRRGGHHHH!!!“, fauchte er und stürzte zum Hörer.

Shinya grinste nur breit.

„Moshimoshi?... Mama?... nein...ja.... nein, bleib du mal lieber zuhause...ja...ja...mit Sicherheit nicht...ja...jaja...Mama!! Was willst du eigentlich?... Oh nein, das ist doch hoffentlich nicht dein Ernst, oder?... Mama, das geht im Moment nicht!...Mama...Mama!...MAMA!!!... Jaja, tut mir leid, dass ich dich unterbreche! Ich muss jetzt aber trotzdem zur Arbeit!...ja!“

Kyo stöhnte noch einmal und legte auf, wobei er die Augen verdrehte. Ein Paar Arme schlangen sich um seine Taille. Shinyas Kopf drückte sich an seine Schulter.

„Ich kenne das! Meine Mum ist auch oft so drauf. Ich meine, sie ist ja wirklich lieb und nett und so, aber sie stört immer in den unmöglichsten Momenten... Wo waren wir gerade?“

Kyo drehte sich in Shinyas Umarmung um und schlang seine Arme um Shinyas Hals. Er näherte sich wieder seinem Gesicht.

„Genau hier...“

Dann küsste er Shinya. Zuerst langsam und zärtlich, doch als Shinya die Lippen öffnete, glitt Kyo mit seiner Zunge in Shinyas Mund. Aus dem schüchternen und zurückhaltenden Kuss wurde ein leidenschaftliches Zungenspiel.

Sie lösten sich voneinander und sanken in einer engen Umarmung auf den Boden. Kyo legte den Kopf in Shinyas Schoss und ließ sich durch die Haare streicheln.

„Ich könnte ewig so hier liegen...“, flüsterte Kyo.

Shinya lachte. Sein Lachen war leise und sehr sanft. Er packte Kyo plötzlich unter den Armen und zog ihn mit einer kraftvollen Bewegung hoch in seine Arme. Er hielt ihn fest und küsste seinen Nacken.

„Wie fühlt sich das an?“, flüsterte Shinya.

„Hmmm....“, seufzte Kyo glücklich. „Wunderschöööön....“

Einen Moment blieben sie so, doch dann drehte Kyo sich langsam wieder und drückte Shinya auf den Boden. Er legte sich auf ihn und grinste frech. Shinya sah ihn fragend an. Kyo seufzte leise. Bei Shinya war alles so anders... er war sonst nie schüchtern. Doch bei Shinya war er es und wusste nicht einmal wieso. Kyo atmete tief durch und rutschte ein Stückchen tiefer, damit er das T-Shirt, welches Shinya trug, ein bisschen nach oben schieben konnte.

Er küsste seinen Bauch und spürte, wie Shinya zu zittern begann. Der Drummer stöhnte leise, als Kyo mit seinen Lippen zärtlich über seinen Bauchnabel stich. Die schlanken Hände des Jüngeren strichen durch Kyos Haare.

„Kyo... stopp!“, keuchte Shinya nach einer Weile.

Kyo setzte sich langsam auf. „Was ist? Möchtest du nicht?“, fragte er besorgt.

Shinya lachte. „Oh Gott, nichts lieber als das, du warumono! Aber hast du mal auf die Uhr gesehen?“

Der Vokalist hob den Kopf und erschrak.

„ACH DU SCHEIßE!!!!“

Er sprang auf und Shinya folgte ihm umgehend. Sie rannten ins Schlafzimmer und zogen sich in Rekordgeschwindigkeit an.

 

Kyo und Shinya schafften den Weg zum Studio in sage und schreibe 15 Minuten, aber trotzdem waren sie viel zu spät dran. Toshiya hockte gelangweilt auf dem Boden und spielte mit seinen Haaren, Die lehnte an der Wand und Kaoru kam verärgert auf sie zugestürmt.

„Shinya! Sonst bist du immer pünktlich! Was sollte das?“

Toshiya erhob sich geschmeidig. „Kaokao, spar dir die Standpauke doch einfach für später und lass ihn die Tür aufschließen!“

Shinya fing sofort an, wie wild nach dem Schlüssel zu suchen.

„Scheiße!“, entfuhr es dem Drummer. „Der Schlüssel muss noch in deiner Wohnung sein!“, rief er Kyo zu.

Die anderen drei hoben erstaunt die Köpfe.

„Wir fahren schnell zurück!“, rief Kyo ihnen zu.

„Ja, und wir sind bald wieder daaa!“, rief Shinya und folgte Kyo.

„Moment mal...“, begann Die. „Was war DAS denn?! Die beiden tauchen zusammen auf, Kyo ist lieb zu Shinya, Shinya war in Kyos Wohnung... HÄ?“

Kaoru und Toshiya schüttelten ebenso ratlos die Köpfe.

 

„Wo ist nur der Schlüssel?“, jammerte Shinya verzweifelt und wühlte zwischen den Decken in Kyos Bett herum.

Kyo schüttelte ratlos den Kopf. Er sah auf der Bettkante und dachte nach. Zuvor hatte er im Wohnzimmer alles durchsucht.

Shinya fiel seufzend auf das Bett und Kyo kroch lächelnd zu ihm. Er legte dem Jüngeren einen Arm um die Schultern, woraufhin sich Shinya ratlos an ihn schmiegte.

„Die anderen töten uns...“

„Hmmm...“, machte Kyo.

Er drehte sich zu Shinya. Liebevoll strich er mit zwei Fingern über seine Hüfte und beugte sich vor, um Shinyas Hals zu küssen. Shinya jedoch stieß ihn grob zur Seite.

„Kyochan, jetzt nicht!“, jammerte er laut.

Kyo drehte sich mit einem Brummen wieder auf den Rücken und schrie plötzlich überrascht auf, als sich etwas Hartes in seinen Rücken bohrte. [Nein, nicht das, was ihr jetzt wieder alle denkt, ihr Säue! ^.~) Er griff unter sich und zog den Schlüssel hervor. Shinya jubelte laut. Kyo setzte sich grinsend hin, aber der Drummer fiel ihm so stürmisch um den Hals, dass beide wieder in den Laken landeten. Er presste seine Lippen stürmisch auf Kyos, aber als er ihn wieder losließ, schlang Kyo seine Arme um Shinya und zog ihn zu einem weiteren Kuss eng an sich. Shinya zappelte zuerst ein wenig, doch dann gab er noch und ließ Kyo tun, was dieser wollte. Als Kyo ihn losließ, schnappte Shinya heftig nach Luft.

„Willst du mich umbringen? Bist du irgendwie liebessüchtig?!“

„Ich bin süchtig nach dir!“, kicherte Kyo und in seinen Augen schimmerte es seltsam.

Shinya wich vor ihm zurück. Sein Blick wurde unsicher, als Kyo näher kam.

„Ich kann mir denken, was du willst, aber wir können das jetzt nicht machen! Die anderen warten auf uns!“, verteidigte Shinya sich.

Kyo knurrte unzufrieden, aber erhob sich. Shinya seufzte erleichtert.

 

Kyo schloss gerade sein Auto auf, als er von hinten umarmt wurde.

„Sei nicht wütend auf mich. Heute Abend gehöre ich ganz dir!“

Kyo lächelte. Er wollte sich umdrehen und Shinya küssen, aber der Jüngere prustete ihm in den Nacken und lief dann lachend um das Auto herum. Kyo seufzte, schüttelte den Kopf und stieg ebenfalls ein.

 

Toshiya und Die jubelten, als Shinya den Gang zu ihrem Proberaum entlang rannte und endlich die Tür aufschloss. Sie nahmen auf den im Raum befindlichen Stühlen Platz und Kaoru baute sich vor ihnen auf.

„Also, ich erinnere euch noch mal dran... Morgen früh haben wir diesen Auftritt in dieser komisch Show. Kommt bloss nicht zu spät und wehe, einer von euch verschläft!“

Dabei sah er Kyo ganz besonders scharf an. Der Vokalist lächelte unschuldig.

„Naja... alles verstanden?“

Allgemeine Zustimmung.

„Gut. Dann lasst uns proben...“

 

Sie fingen an. Kyo wirbelte erstaunlich viel um Shinya herum, aber die anderen beachteten es kaum.

Zumindest Kaoru und Toshiya achteten nicht darauf. Die dafür um so mehr. Er bemerkte einen Blick, den Kyo Shinya zuwarf und stutzte. Mit diesem Blick hätte der Vokalist ihren jungen Drummer ausziehen können... Was lief da zwischen den beiden?

 

Nach der Probe verließ Kyo das Studio und ging zu seinem kleinen Auto.

„Hey Shinya! Was ist? Willste nicht mitkommen?“

„Straßenbahn!“, rief Shinya und deutete nach vorne.

„Naja, dann nicht. Wir sehen uns morgen, Leute!“, rief Kyo, stieg ins Auto und fuhr davon.

Shinya grinste, ging die Straße herunter, lief um ein paar Ecken und stand wieder vor Kyos schwarzem Mini. Er gab dem Älteren ein Küsschen auf die Wange.

„Was sollen wir machen?“

„Essen gehen?“

„Geht klar!“

 

Bevor sie eine halbe Stunde später aus dem Auto stiegen, setzte Shinya seinen heißgeliebten Hut auf und versuchte so viel von seinem Haar wie möglich darunter zu verstecken. Kyo zog sich eine Baseballcap so tief ins Gesicht wie möglich. Nebeneinander liefen sie die Straße entlang und mieden die beleuchteten Schaufenster. Es war zwar fast dunkel, aber Kyo und Shinya zogen es vor, vorsichtig zu sein. Sie wollten an diesem Abend einfach ihre Ruhe haben und sich nicht mit hysterischen Mädchen herumschlagen müssen.

In einer winzigen Seitenstraße griff Kyo nach Shinyas Hand und hielt sie fest. Der Drummer warf Kyo einen sanften Blick zu. Händchen halten tat er nicht oft, aber es gefiel ihm.

Schließlich legte Kyo einen Arm um Shinyas Hüfte und griff nach der anderen Hand. Während sie weitergingen, drückte Kyo Shinya immer mehr in Richtung Wand und schließlich presste er den Jüngeren ganz dagegen. Kyo streichelte ihn sanft und knöpfte langsam seine Jacke auf. Er hielt einen Moment inne um Shinya zu küssen. Dieser lachte plötzlich.

„Kyochan, du bist so verrückt!“

„Was hältst du von Sex in einer Seitenstraße?“

Shinya riss die Augen auf. „WAS?“

Kyo lachte. „War nur’n Scherz! Keine Sorge, wenn es dazu kommt, machen wir es uns richtig gemütlich...“

Er ließ den Drummer los und griff wieder nach dessen Hand.

„Lass uns Essen gehen!“

 

Sie gingen in ein schönes, französisches Restaurant, das sie öfters mal besuchten. Sie waren dort gern gesehen und bekamen auch ohne Reservierung einen Tisch. Schließlich saßen die beiden in einer Ecke zwischen den Blumenranken. Der Schein einiger Kerzen war ihr eigenes Licht und sie aßen eine Vorspeise.

Jeder in ihrer Nähe hätte das neue Verhältnis zwischen Kyo und Shinya sofort bemerkt, denn die beiden turtelten ziemlich heftig herum. Aber es war ja niemand in der Nähe und ihre Ecke versteckte sie gut. Deswegen ließ es Shinya, als der Vernünftigere der beiden, auch zu, dass Kyo sanft seine Nase küsste.

Dann sahen sie sich in die Augen und mussten plötzlich beide lachen.

„Hey... dieses Lachen kenne ich doch!“, erklang eine vertraute Stimme ganz in ihrer Nähe.

Sofort ließ Kyo Shinyas Hand los und sah sich verwirrt um. Kurz darauf tauchte Die auf und kam grinsend näher. Toshiya und Kaoru waren ihm dicht auf den Fersen.

„Hallo ihr zwei!!“ Nanana, das sieht mir hier aber eher nach einem romantischen Date aus, als nach einem Abendessen!“, neckte Die.

Die anderen zwei lachten, aber Kyo sah in Dies Augen, dass er eigentlich keinen Scherz gemacht hatte.

„Platz da!“, sagte Toshiya und schubste Kyo zur Seite.

Die anderen drei drängelten sich zu ihnen an den Tisch und Kyo warf Shinya einen bedauernden Blick zu, den Shinya nur mit einem Schulterzucken beantwortete.

Jetzt saß ganz Dir en grey also am Tisch und aß. Eigentlich hatten Shinya und Kyo einen Abend zu zweit verbringen wollen, aber mit ihren Freunden war es auch alles andere als langweilig.

 

Nach dem Essen verließen sie das Restaurant und gingen zusammen die Straßen entlang. Die ließ sich ein wenig zurückfallen und sorgte dafür, dass Shinya sein Schrittempo annahm.

„Shinya, ich möchte mit dir sprechen... ich hab mitgekriegt, was zwischen dir und Kyo läuft... Ich möchte dich bitten, ganz genau darüber nachzudenken, ja? Eine Beziehung zwischen dir und ihm kann gefährlich sein. Nein, lass mich bitte ausreden! Glaub mir einfach mal, dass ich weiß, wovon ich spreche. Ich hab die ganze Sache schon mit Kaoru durchgemacht! Kyo ist dir wichtig, vielleicht liebst du ihn... aber stell dir doch mal vor, was passiert, wenn alles rauskommt! Es würde unglaublich schwer sein, die Beziehung zu halten. Man würde euch diskriminieren! Ihr könntet euch in der Öffentlichkeit nicht mehr zusammen sehen lassen. Würde eure Liebe das aushalten? Willst du Kyo das antun? Schafft ihr das zusammen? Oder wäre es besser, eure Beziehung jetzt schon zu beenden, bevor es zu spät ist? Shinya, ich bedränge dich nicht und will dich auch zu nichts zwingen. Ich möchte einfach nur, dass du darüber nachdenkst! Wenn du Kyo so sehr liebst, dass du davon überzeugt bist, dass eure Beziehung auch so eine Situation bestehen würde, dann bleib mit ihm zusammen. Ansonsten beende es, bevor du Kyo unnötig weh tust.“

Shinyas Augen verzogen sich schmerzerfüllt.

„Ich will dich nicht verwirren, ich möchte nur, dass du dir Gedanken machst....“

Die streichelte Shinya kurz durch die Haare.

„Lass den Kopf nicht hängen. Ich bin mir sicher, dass du die richtige Entscheidung triffst!“

Die ging schneller, ließ Shinya allein. Shinya blieb hinten, während Kyo ab und zu einen besorgten Blick zurück warf.

Bei Kyos Auto verabschiedeten sie sich voneinander. Kyo stieg ein und wartete auf Shinya. Als der Drummer eingestiegen war, startete Kyo den Motor und sie fuhren zu Kyos Wohnung. Während der ganzen Zeit schwieg Shinya.

 

Später lag das jüngste Mitglied von Dir en grey in Kyos Bett, während sich der Vokalist die Haare föhnte. Noch immer dachte Shinya über Dies Worte nach.

Kyo kam aus dem Bad und krabbelte zu seinem Freund ins Bett. Er kuschelte sich an ihn und der Jüngere nahm Kyo in die Arme.

Als dieser seinen Brustkorb küsste und seine Hände langsam über Shinyas Körper wandern ließ, seufzte dieser.

„Ich weiß Kyochan... ich habe es dir versprochen, aber... jetzt nicht! Bitte nicht. Ich möchte das nicht...“

Kyo sah ihn verwirrt an, aber er ließ Shinya los.

„Ich bin einfach nur müde...“, flüsterte Shinya und küsste Kyo auf die Stirn.

Kyo nickte und schmiegte sich wieder an den Jüngeren.

„Okay lass uns schlafen!“, murmelte er leise.

Sein ruhiger Atem zeigte Shinya zwei Minuten später, dass Kyo eingeschlafen war.

„Kyo... es tut mir leid. Die hat Recht, ich kann das nicht verantworten...“

Er kletterte aus dem Bett. Ganz vorsichtig, um Kyo nicht zu wecken. Er suchte nach einem Zettel und einem Stift. Unter Tränen schrieb er eine Nachricht für Kyo. Anschließend faltete er den Zettel zusammen und legte ihn auf den Nachttisch.

„Es tut mir so leid... bitte, verzeih mir...“, flüsterte Shinya und küsste Kyos Stirn.

 

Kyo wachte auf und tastete verschlafen nach Shinya, aber die andere Seite des Bettes war leer. Und nicht nur leer, sondern auch kalt! Verwirrt setzte sich Kyo auf und sah sich um.

„Shinchan?“

Sein Blick fiel auf die Notiz und er faltete sie auseinander.

 

Lieber Kyo...

Ich bitte dich, mir zu verzeihen, aber ich kann nicht anders. Es tut mir leid, aber aus uns wird nichts... Eine Beziehung ist einfach zu gefährlich. Verzeih mir! Ich werde für eine Weile verschwinden, um es für dich einfacher zu machen. Ich werde schon wieder auftauchen, sagt den Medien solange einfach, ich sei krank oder so...

Es ist nicht so, dass ich dich nicht lieben würde, aber es geht einfach nicht... du musst mich verstehen!

Shinya

 

Kyo schluckte schockiert. Er las die Nachricht noch dreimal, konnte es aber einfach nicht glauben.

„Shinya... nein... tu mir das nicht an! Ich war so lange alleine, ich will nicht schon wieder alleine sein...“

Kyo spürte, wie ihm die Tränen in die Augen stiegen. Er warf sich in die Kissen und begann zu weinen.

 

Ein paar stunden später war der Auftritt geplant und Kyo musste wohl oder übel erscheinen.

Toshiya sah auf, als Kyo die Maske betrat und grinste.

„Na? Schöne Nacht gehabt?“

Kyo blinzelte zu Toshiya herüber und brach in Tränen aus. Toshiya sah ihn schockiert an und stand auf, um Kyo beschützend in die Arme zu nehmen. Der Kleinere drückte sein Gesicht an Toshiyas Hals und schluchzte verzweifelt.

In diesem Moment kamen auch Die und Kaoru herein. Sie sahen sich verwirrt an.

„Kyo?“, fragte Kaoru sanft. „Kyo, was ist los?“

„E-er ist weg...“

„Wer ist weg?“

„Sh-shinya...“

Kyo zog den Zettel aus der Tasche und reichte ihn den anderen. Sie lasen ihn und sahen Kyo bestürzt an.

„Kyo... nicht weinen...“, flüsterte Toshiya.

Die sank auf einen Stuhl und schüttelte den Kopf.

„Das ist alles meine Schuld...“, flüsterte er.

„Nein, ist es nicht, Diekun...“, erklang eine sanfte Stimme aus Richtung der Tür.

Sie sahen auf.

„SHINYA!!!“

Toshiya ließ Kyo langsam los und dieser stand verloren im Raum und sah Shinya verwirrt an.

„Es ist wirklich nicht deine Schuld, Die! Ich meine... Kyo... ich war so dumm! Ich bin vor meinen eigenen Gefühlen weggelaufen... ich stand schon am Bahnhof, als ich realisiert habe, welchen Fehler ich gemacht hatte... Es ist zu spät, denn ich kann schon gar nicht mehr ohne dich leben. Die Frage ist nur, ob du mich überhaupt noch willst, nachdem ich dir das angetan haben... Kyo... willst du mich noch?“

Kyo zögerte keine Sekunde, sondern fiel Shinya um den Hals.

„Ai shiteru, Shinchan!!!!“, schrie er,

„Ai shiteru mo, Kyochan!“

Kaoru, Die und Toshiya grinsten sich zufrieden an.

„Na los. Wir haben einen Auftritt und sollten uns beeilen!“, meinte Kaoru,

Kyo und Shinya sahen auf und lächelten, aber Shinya ließ Kyo nicht los.

 

~owari~

by Neko