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Der
Ring lag achtlos in der Ecke. Shinya saß mit glasigem Blick auf einem Stuhl und
starrte vor sich hin. Sein Blick leer, die Augen verquollen. Sein braunes,
seidiges Haar fiel ihm weich ins Gesicht.
Die
Tür öffnete sich. Toshiya, Die und Kaoru.
„Shinya?“,
fragte Toshiya sofort besorgt.
„Was
war mit Kyo los?“, flüsterte Die leise.
Der
Klang seiner eigenen Stimme kam ihm so entsetzlich laut vor. In diesem Moment
sah Shinya auf. Toshiya stürzte nach vorn und schlang seine Arme eng um den Körper
des Jüngeren.
„Was
ist denn nur geschehen?“, fragte er entsetzt.
Shinya
sagte nichts, schüttelte heftig den Kopf und begann leise zu schluchzen.
Toshiya hielt ihn in den Armen und wiegte ihn sanft. Doch Shinya riss sich
schließlich los und stolperte aus dem Raum. Toshiya wollte ihm folgen, doch
Kaoru hielt ihn zurück.
„Lass
ihn. Er will alleine sein, sonst würde er nicht gehen...“
Shinya
hatte sich an irgendein Fenster hoch über den Straßen gesetzt und blickte
hinab. Er sah nicht die Menschen, die sich dort hektisch bewegten. Sie waren ihm
egal. Der heftige Regen machte den Menschen nicht viel aus. Das war Shinya egal.
Ihm war alles egal. Im Moment wäre es ihm auch egal gewesen, wenn das Haus über
ihm zusammengebrochen wäre. Er fühlte sich leer und allein gelassen. Er zog
die Beine dicht an den Körper, schlang die Beine darum und wiegte sich sanft
vor und zurück. Seine Lippen bewegten sich und er summte leise vor sich hin.
Eine Melodie, die er sehr mochte. Die Melodie und die Entschlossenheit des
Liedes machten ihm Mut. Immer wieder sang Shinya leise ‚I’ll‘, ohne
wirklich zu wissen, warum.
Die
Tränen waren lange getrocknet. Das entsetzliche Gefühl verschwunden. Mit einem
Lächeln auf den Lippen stand er auf und blickte wieder zu den Menschen hinab.
Er
ging auf die Treppe zu und begann zu laufen. Immer schneller und schneller. Er
stürzte die Stufen hinunter, so schnell er konnte und rannte weiter. Sein Ziel
war ein ganz bestimmter Raum. Der Raum, in dem sich vor kurzem alles abgespielt
hatte.
Shinya
riss die Tür auf. Er erschreckte seine drei zurückgebliebenen Freunde zu Tode,
beachtete sie aber nicht großartig. Ohne auch nur noch eine Sekunde zu zögern
schob er sich den Ring an den Finger und griff nach seinem Rucksack. Er suchte
etwas und hatte es nach kurzer Zeit gefunden.
Für
ein paar Sekunden hielt er den glitzernden Gegenstand in den Händen und
betrachtete ihn lächelnd. Das kleine, silberne Kreuz mit dem Herz in der Mitte.
Dann ließ er es in seine Tasche gleiten.
Eine
Hand legte sich auf seine Schulter und Toshiya lächelte ihn an.
„Er
ist raus. Runter zur U-Bahn. Beeil dich! Ihr schafft das gemeinsam!“
„Danke...“,
hauchte Shinya und drückte jeden seiner Freunde kurz, aber sehr fest an sich.
Dann
warf er sich den Mantel über die Schultern und lief los.
So
schnell war Shinya in seinem ganzen Leben noch nicht gerannt. Der Wind schlug
ihm entgegen, wehte um ihn herum, schien ihn zu tragen. Shinya wurde nur noch
von einem einzigen Gedanken angetrieben:
Er
durfte nicht zu spät kommen!
Die
Treppe zur U-Bahn-Station tauchte vor ihm auf. Shinya flog die Stufen hinunter.
Er wusste, wo er zu suchen hatte. Kyo war gerade dabei, in eine U-Bahn zu
steigen. Der Drummer kratzte seine
letzte Kraft zusammen und beschleunigte ein letztes Mal. Er erreichte die U-Bahn
und stolperte hinein. Die Menschen sahen ihn vorwurfsvoll an, als er gegen sie
stieß, aber Shinya beachtete sie nicht. Er musste ihn finden. Aber wie? Bei den
ganzen Menschen?
Ziellos
ging Shinya los, drängte sich an den Leuten vorbei. Er drohte, in diesem Meer
aus Menschenmassen zu ertrinken, aber er ließ sein Ziel nicht aus den Augen.
Den Blickkontakt zu Kyo hatte er lange verloren, aber er gab nicht auf, sondern
suchte weiter.
Schließlich,
in einer winzigen Ecke auf einem der Plätze zusammengekauert, fand er Kyo. Der
Vokalist hatte die Augen geschlossen und dunkle Tränenspuren zierten sein
Gesicht. Ohne ein Wort zu sagen umarmte Shinya ihn fest. Drückte ihn an sich,
wollte ihn nicht gehen lassen. Kyo sah ihn für einen Sekundenbruchteil verwirrt
an, dann erkannte er Shinya und warf ihm die Arme um den Hals.
Shinya
zog Kyo hoch, hielt ihn fest an sich gedrückt. Kyo hielt ihn ebenso fest.
Shinyas
Hand wanderte in seine Hosentasche. Zog das Kreuz hervor. Er löste sich von
Kyo, band ihm die Kette um den Hals und nahm ihn wieder in den Arm.
Eng
umschlungen blieben sie stehen und hielten sich einfach nur fest. Schließlich
hob Shinya den Kopf und blickte Kyo in die Augen. Der Sänger sah Wärme und
Liebe in den Augen des anderen leuchten. Shinya küsste seine Stirn.
„Egal,
was passiert...“, flüsterte er. „... ich werde immer für dich da sein. Ich
lasse dich nicht allein. Ich bin da. Ich bin da! Du bist nicht allein! Ich werde
dich nicht verlassen. Hab keine Angst. Ich bin da. Ich vertraue dir! Mach dir
keine Sorgen mehr... Ich will, dass du wieder glücklich wirst. Egal, was
passiert, ich bin bei dir. Ich lasse dich nicht los. Ich lasse dich nicht
allein. Und das wird immer so sein. Du verlierst mich nicht! Ich halte dich
fest... Du bist unglaublich wichtig für mich...“
„Ich
weiß...“, hauchte Kyo. „Das gleiche gilt für dich... Ich habe dich ganz
doll lieb...“
Shinya
lächelte, griff nach Kyos Hand und küsste sie.
„Zusammen
schaffen wir alles...“
„Ja...
Zusammen...“, antwortete Kyo.
Er
griff nach Shinyas Hand. Die U-Bahn hielt und die beiden stiegen aus. Shinya lächelte
Kyo noch einmal warm an, dann stiegen sie langsam zusammen die Stufen hoch. Draußen
schien die Sonne. Der Regen hatte aufgehört und das Licht spiegelte sich in den
Pfützen.
Die
beiden umarmten sich noch einmal. Sie würden immer füreinander da sein und
alles würde wieder gut werden. Auf schlechte Zeiten folgen immer gute. Das
wussten beide ganz genau.
Dann
liefen sie langsam den Weg zurück, Arm in Arm.
~owari~
Was
will ich damit sagen? Ich weiß es nicht so genau. Es musste einfach raus. Ist
wohl mit das kürzeste, was ich je verbrochen habe. Ich werde nicht
weiterschreiben und ich überlasse es jedem selbst, diese Geschichte zu
interpretieren.
Ich
musste es schreiben, es ging mir nicht aus dem Kopf.
Es
mag blöd klingen, aber ich danke Dir en grey für ihren Song >I’ll<.
Ich kenne die Übersetzung der Lyrics nicht und ich weiß nicht, was die Aussage
des Liedes sein soll, aber die Melodie und Kyos Gesang haben mir Mut gemacht.
Ich weiß, das wieder alles gut sein wird. Egal, was passiert!
‚I’ll
for you‘ ist für Jun. Mein Engel, ich will nur, dass du eins weißt: Ich bin
für dich da und vertraue dir.
by
Neko
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