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Venezuela 2002

In Piritu wurden wir wieder voll freundlich aufgenommen. Der Kellner hat sich nach seinem Dienst zu uns gesetzt und uns 2 Stunden lang von Gott und der Welt erzählt. Er hat uns sogar auf Getränke eingeladen. Aber nach 2 Stunden waren wir schon so fertig, dass wir dann gegangen sind. Wenn man sich dauernd konzentrieren muss, dass man was versteht, dann wird man ziemlich schnell müde. Aber es war trotdem wieder lustig. Wir haben dann in der Pension wieder gemütlich was getrunken und uns dann aufs Ohr gehaut.
Es war im Oktober 2002, wo sich 2 Abenteurer in Richtung Venezuela aufmachten und ohne feste Unterkunft und vor allem ohne Spanisch Kenntnisse das Land erforschen wollten. Aber ganz so schlimm war es doch nicht, wir hatten ja immerhin unsere Flugticktes, zumindest für den Hinflug. Also nach ersten Anlaufschwierigkeiten (Fehler in der Packordnung, keine Sonnenbrille mit) gings nach Wien zum Flughafen. Und damit wir nach der Rückkehr (die noch lange nicht gesichert war) das Auto auch wieder finden, haben wir auch das Schild daneben fotografiert.
Und weiter gings nach Madrid. Wir wußten, dass es am Flughafen in Madrid irgendwo einen Schalter gibt, wo wir erfahren würden, in welchem Hotel wir übernachten können. Aber man muss diesen Schalter eben erst mal finden. Nach einer Stunde suchen hatten wir ihn dann und dann mußten wir nur mehr auf unseren Shuttle ins Hotel warten.
Nach einer gemütlichen Nacht in Madrid gings wieder zurück zum Fluhafen.
Am Flughafen hatten wir noch ein wenig Zeit zum relaxen und zum Kartenschreiben. Das war auch gut so, da unser Flieger nach Caracas sich einfach spontan überlegt hat, nachdem alle Passagiere an Bord waren, noch 2 Stunden einfach nur stehen zu bleiben. Das war sehr lustig, da der Flieger vollbesetzt war.
Ab dann gings endlich los. Der Flug war unspektakulär. Nach 9 Stunden sind wir in Caracas gelandet. Endlich. Der Flughafen in Caracas ist aber der schlimmste, den ich je gesehen habe. Man darf sich dort wirklich nichts erwarten. Fotos haben wir davon keine, da es in und um Caracas nicht sehr sinnvoll ist, sich als Tourist zu outen. Der erste Eindruck am Flughafen beim Avis-Schalter war ein Deutscher, der kurz zuvor in einem Stau ausgeraubt worden ist, mit Pistolen und allen drum und dran. Daher keine Fotos. Aber wir wollten trotz dieser ersten bestürzenden Eindrücke unser Mietauto abholen und dann in unser Hotel in Caracas fahren. Klingt recht einfach, war es aber dann ganz und gar nicht. Kurz zur Mietauto- Buchungs-Historie: In Graz war es zuerst Thrifty, dann Avis und wurde dann wieder auf Thrifty geändert. Allerdings gibt es am Flughafen in Caracas keinen Thrifty-Schalter. Also kurz in Venezuela unsere Agentur angerufen. Die hat gesagt, es ist wieder Avis. Also auf zum Avis-Schalter. Aleerdings hatten die keine Buchung und englisch hat auch niemand gesprochen. Nach endlosen Telefonaten sind wir draufgekommen, dass es Hertz ist. Also auf zum Hertz-Schalter. Dort gab es eine Buchung, allerdings sprach die Dame kein Wort englisch und hat auch nichts verstanden. Nach 2 Stunden hatten wir dann doch unser Mietauto und konnten zu unserem Hotel aufbrechen. Straßenkarte gabs allerdings auch keine und nach einem weiterem Telefonat und einer Wegbeschreibung sind wir in Richtung Hotel aufgebrochen.

Wir waren zuversichtlich, da wir die ersten 2 Anhaltspunkte gefunden haben. Das wars dann aber auch schon. Danach sind wir irgendwo in den Slums gelandet und um es kurz zu machen: Nach 4 Stunden Irrfahrt haben wir unser Hotel dann doch gefunden. Wir wollten zwar am nächsten Tag bereits weiter fahren, aber nach diesen Strapazen sind wir doch noch einen Tag in Caracas geblieben.

Der Tag im Hotel war erholsam. Am nächsten Tag wollten wir dann endlich in die Wildnis aufbrechen. Also bin ich zu unserem wunderschönen gelben Seat Cordoba gegangen - das einzige gelbe Auto, das wir in Venezuela gesehen haben - und wollte ganz einfach starten. Nichts!! Was tun? Zurück zur Rezeption. Die nette Dame an der Rezeption hat dann bei Hertz angerufen und Hertz hat nach einer Stunde einen Mechaniker geschickt. Cool. Den ersten Tag in Venezuela und schon eine Autopanne. Das war der Beginn für unser neues Motto, das auch in dem Fax von der Agentur in Venezuela gestanden ist:

Be prepared for unexpected changes!

Und genauso war es dann im ganzen Urlaub.
Nach dem Wechsel der Autobatterie gings endlich los. Wir konnten uns in Richtung Tacarigua de la Laguna aufmachen. Natürlich wußten wir den Weg aus einem Reiseführer und wir versuchten diesen auch auf den richtigen Straßen nachzuvollziehen. Das funktionierte aber nicht richtig. Also kamen wir anstatt auf die Autobahn, nachdem wir an einer Maggi Werbung vorbeigekommen sind und Modern Talking im Radio gehört haben, auf eine Gebirgsstraße. Leider gabs unterwegs keine Ortsschilder mehr und daher hatten wir keine Ahnung, wo wir waren. Nach 2 Stunden haben wir beschlossen,nicht mehr umzudrehen, sondern einfach weiterzufahren. Wir sind dann irgendwann mitten in einem Nationalpark gewesen, wo Straßen nicht wirklich mehr einen Anfang und ein Ende hatten. Das war echt cool. Man fährt einfach und hofft, die Straße geht wieder irgendwo mal weiter.
Irgenwie haben wir es dann aber doch geschafft, wieder den richtigen Weg einzuschlagen und sind dann doch in Tacarigua angekommen. Das war für mich der schönste Tag in dem ganzen Urlaub. Wir sind dort zur Posada de Carlos gefahren, eine wirklich sehr(!!) einfache Pension. Wir wurden voll herzlich aufgenommen und haben mit Carlos und seinen Freunden sofort Freundschaft geschlossen. Wir haben viel über das Land erfahren (alles auf spanisch) und ich habe dort den besten Fisch in meinem ganzen Leben bisher gegessen. La Branche ist auf der Karte gestanden. Der war echt spitze. Im Lokal sind ein paar Krabben herumgerannt. Hab ich bisher auch eher selten gesehen. Der Eindruck und das Erlebnis dort war aber traumhaft. Die Lagune selbst ist auch wunderschön.
Carlos hat uns für den nächsten Tag zu einem Fest mit seiner Familie eingeladen, aber da wir nicht nur Alkohol, sondern auch das Land genießen wollten, sind wir am nächsten Tag weitergefahren. Unser Ziel war Piritu, ein kleiner Ort mit einer sehr schönen Kirche und einem romantischen Hafen. Die Fahrt dorthin war wieder sehr schön und wir konnten einen weiteren Eindruck von Venezuela mitnehmen. Unterwegs sind wir sogar auf die Ponderosa Ranch gestoßen ;-) Hier hat Bonanza also gespielt *g*

Unsere nächste Etappe war Puerto La Cruz. Diesmal also wieder eine größere Stadt. Wir sind das erste Stück auf der Autopista gefahren, vorbei an der Industrie Venezuelas. Die Ölraffinerien waren schon beeindruckend. Dann haben wir noch einen Abstecher in das Landesinnere, weg von der Küste gemacht. Da haben wir wieder den Unterschied zwischen arm und reich gesehen. Im Landesinneren sind Leute, die wirklich nichts tun. Aber anscheinend sind sie so glücklich. (Das Foto im Auto ist bei Tempo 120 entstanden)
Puerto La Cruz selbst ist eine Stadt, in der rund um die Uhr etwas los ist. Im Gegensatz zu Caracas ist das eine Stadt, in der man auch wohnen kann. Aber man merkt hier schon den amerikanischen Einfluss. Es gibt Fast Food, Internet Cafes, Steak Houses und alles, was sonst noch so dazu gehört.

Unser Hotel war diesmal wieder gehobenere Kategorie. Wir haben dort den Luxus natürlich auch genossen und, was ganz wichtig war, am Abend sogar Kultur nach Venezuela gebracht :-))) Es gab dort eine Karaoke-Bar und da ich ja hin und wieder ganz gerne singe, hab ich das dort natürlich auch gemacht. Die Leute waren natürlich begeistert und eigentlich bin ich in Venezuela jetzt schon ein Star ;-))
Nach diesem eher erholsamen Tag, war der nächste Tag der große Aufbruch in Richtung Isla Margarita. WIr wollten mit der Fähre dorthin fahren. Zuerst mußten wir unser Mietauto zurückgeben, in Barcelona. Also fuhren wir Richtung Barcelona und suchten dort den Flughafen. Nach einer Weile haben wir ihn auch gefunden, allerdings war das ein bisschen komisch. Wir gingen in den Terminal und dort war absolut niemand und alle Schalter waren geschlossen. Es war zwar Sonntag, aber dennoch konnten wir es nicht richtig glauben, dass ein Flughafen am Sonntag geschlossen hat. Wie sich dann herausstellte war es der Militäterminal und wir mußten zum kommerziellen. Das hat uns ein Soldat der Garde Nacional gesagt, der uns ziemlich forsch fragte, was wir eigentlich dort wollen.

Nachdem wir das Auto los geworden sind, gings mit dem Taxi zurück nach Puerto La Cruz zur Fähre. Dort ging alles glatt, allerdings darf man es nicht eilig haben. Bis wir die Tickets hatten, dauerte es schon eine Weile. Danach gings mit der Fähre übers Meer zur Insel. Die Überfahrt war spitze. Wir haben unterwegs sogar Delphine gesehen. Das war ein beeindruckendes Erlebnis. Wir haben auch einen Venezulaner kennengelernt, der sehr gut englisch gesprochen hat. Wir hatten ja 4 Stunden Zeit und somit viel Zeit, alles über das Land und die Leute zu erfahren.

Nach 4 Stunden war es dann soweit: Wir sind auf der Isla Margarita angekommen.
Von nun an sollte unser Strandurlaub starten. Also auf mit dem Taxi Richtung Hotel. Der erste Schock nach einer Woche Venezuela Hardcore war, dass die Rezeptionistin uns auf deutsch angesprochen hat. Nichtsdestotrotz waren wir motiviert, uns voll dem Vergnügen zu widmen und haben uns eben fürs Essen und dann für die Disco bereit gemacht.
Anscheinend waren wir aber noch richtig auf europäische Verhältnisse und auf einen Haufen deutscher Urlauber eingestellt. Wir brauchten 2 Tage, bis wir uns an die neuen Verhältnisse gewöhnt hatten. Dann ging es aber richtig los. Wir waren jeden Tag in der Disco, tagsüber am Strand und abends nach der Disco gabs dann immer eine Poolparty. Wir haben einige Leute kennengelernt, mit denen es recht lustig war. Eine der Animateurinnen hatte es auch auf uns abgesehen und so durften wir an diversen Spielchen und Tanzkursen teilnehmen. Carolina war für die Frauen in Venezuela ein recht gutes Beispiel. Es waren eigentlich alle hübsch. Zumindest die meisten und ich frag mich, warum ich eigentlich keine mit nachhause genommen habe??? Naja, was nicht ist, kann ja noch werden.

Der Club selbst war schön. Es gab Papageien und andere freilaufende Viecher. Der Pool war allerdings nicht wirklich brauchbar zum Schwimmen, aber die Poolbar war super.

Tagsüber haben wir einfach relaxt. Das hatten wir nach ein paar Tagen schon ziemlich gut drauf. Wir haben uns davor aber immer mental im Zimmer auf das nichtstun vorbereitet, damit das dann auch wirklich gut klappt ;-))
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Da wir aber noch immer ein bisschen den Forscherdrang in uns hatten, haben wir auch die Insel noch mit einem Mietauto erkundet. Die Insel ist zwar nicht so spektakulär, wie das Festland, aber auch ganz hübsch. Damit es nicht fad wird, haben wir Karin und Susanne, 2 Deutsche Mädels mitgenommen. Wir sind durch einen Nationalpark gefahren, waren am höchsten Berg der Insel, haben ein kleines Fort besucht und sind auch die Küste und ein paar kleinere Ortschaften abgefahren. Das war sehr schön. Das schwierigste an dem ganzen Tag war es, das Dach wieder auf das Auto zu bringen. Aber sogar das haben wir dann geschafft.
Das wars dann auch schon für diese Woche. Dann gings wieder nachhause, natürlich wieder mit einem unexpected change. Unser Flug von der Insel wurde um 2 Stunden vorverlegt. Also sind wir nach 4 Stunden Schlaf, da wir ja noch Abschied feiern mussten, um 8 Uhr mit dem Taxi zum Flughafen Porlamar aufgebrochen. Dort haben wir dann eingecheckt und sind gegen 10 Uhr mit einem Inselhüpfer nach Caracas geflogen. Natürlich wollten wir dort gleich einchecken, damit wir unser Gepäck los werden. Wir hatten ja noch 7 Stunden Wartezeit vor uns. Bei unserem Glück war aber der Iberia Schalter nicht offen und so konnten wir nichts anderes tun als warten, bis jemand kommt. Sitzplätze gibts natürlich keine und Cafes oder Ähnliches auch nicht. Also sind wir 3 Stunden vor dem Schalter gestanden, bis wir endlich einchecken konnten. Dann noch mal 4 Stunden bis zum Flug nach Madrid. Drinnen gabs aber Restaurants, zum Glück. In Madrid dann ca. 1 Stunde bis zum Flug nach Wien und von Wien dann mit dem Auto zurück nach Graz. Nach 25 Stunden waren wir dann endlich wieder in Graz und sind gleich ins Glöcklbräu gefahren. Dort sind wir dann auch hängengeblieben, aber das ist eine andere Geschichte..... ;-)))
Für mich war das bis jetzt der beste Urlaub, den ich je gemacht habe. Ich hatte zwar in keinem Urlaub so viel Probleme und unexpected changes, wie in diesem, trotzdem war das aber spitze. Venezuela ist als Land traumhaft schön, das Essen ist wirklich spitzenmäßig und die Frauen sind auch nicht zu verachten :-))) Nur Caracas würde ich meiden. Aber ich möchte auf jeden Fall wieder einmal nach Südamerika. Venezuela hat mich wirklich sehr positiv überrascht und ich könnte mir es sogar vorstellen, in einer Stadt wie Puerto La Cruz zu leben. Nur spanisch müsste ich dann vorher noch lernen ;-))

Ich glaube, da dieser Urlaub zufällig zustande gekommen ist, war das bestimmt eine Eingebung von höherer Stelle.......